Straßenfotografie in Deutschland : was ist erlaubt?

0
Menschenmasse vor QVB

Persönlichkeitsrechte zu bewahren sollte in der Fotografie, sie es als professionelle Aufnahme oder als privaten Schnappschuss, unbedingt im Hinterkopf der Knipser haften bleiben. Denn selbst ein Schnappschuss mit der Kirche auf dem öffentlichen Platz mit Personen am Rand kann nicht ohne weiteres veröffentlicht werden, wenn die abgebildete Person nicht die Erlaubnis erteilt oder im schlimmeren Fall rechtlich gegen die Veröffentlichung im Internet, für Werbezwecke und anderen ähnlichen Fällen vorgeht. Was ist nun in der Straßenfotografie erlaubt, wo sind die Grauzonen und was ist strikt verboten? Das soll hier an einigen Punkten knapp und präzise beschrieben werden.

Wann darf ein Bild nicht veröffentlicht werden?

Die Regel, dass man Bilder von Personen nur nach vorherigem beidseitigem Einverständnis veröffentlichen kann, dürfte keine Neuigkeit sein. Das gleiche Prinzip gilt in gewisser Weise auch beim Abschluss eines Kaufvertrags. Wenn ich Brötchen kaufe, verlangt der Bäcker Geld und wenn die Waren stimmen, zahle ich den gewünschten Betrag auch gerne. Wenn ich nun aber sehe, dass die Brötchen pechschwarz sind, weil sie zu lange im Ofen sind, kann ich die Zahlung verweigern! Und der Bäcker kann sie mir nicht aufzwingen! Ein anderer Fall wäre die Fotografie eines Straßenartisten, der sich als berühmten Artisten (z.B. Charlie Chaplin Figur) verkleidet und plötzlich ins Bild springt, wo der Fotograf die Touristen mit dem Artisten fotografieren. Plötzlich verlangt streckt er die Hand aus und verlangt dafür eine finanzielle Gegenleistung! Das ist unüblich, kann aber verweigert werden, da sie nicht auf beidseitigem Einverständnis erfolgen.
Anhand der beiden Beispiele gilt prinzipiell: die Veröffentlichung von Straßenfotografien mit den abgebildeten Personen sollte unterlassen werden, wenn eine oder mehrere Personen sich in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt fühlen und die Erlaubnis für die Veröffentlichung nicht erteilen. Veröffentlichung heißt: Platzieren des Bilds auf Plattformen, die für jedermann zugänglich sind, darunter Facebook ( für alle öffentlich zugänglich), Google+, auf Internetseiten kommerzieller und unkommerzieller Natur, auf Twitter, Printplakaten, Broschüren usw. . Hier greift das Kunsturhebergesetz, speziell § 22 KUG, wonach Fotos nur mit Einwilligung de Fotografierten geschossen werden. Die Straßenfotografie ist anhand der gesetzlichen Regelungen klar beschrieben, auch wenn die Grauzonen verschwommen sind.

Die im Paragrafen aufgeführten Ausnahmen sollen anhand einiger Bilder mal zum Ausdruck gebracht werden sollen. Das wären:

1. Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte

Darunter fallen Personen aus verschiedenen Bereichen der Politik, Kunst, Wissenschaft oder Unterhaltung, die über Jahrzehnte auf breiter Ebene bekannt sind und auch über ihren Tod hinaus als bedeutsame Persönlichkeiten der Geschichte angesehen werden. Das mediale Interesse einer Person entscheidet über die Bedeutsamkeit der Zeitgeschichte und so wird man Frau Angela Merkel oder der den US Präsidenten wohl kaum persönlich um Erlaubnis bitten, ob man die Bilder vom Jubel in die Menge fotografiert oder nicht. Der traurige Blick mit Lionel Messi auf den WM Pokal 2014 bleibt der Welt in Erinnerung und könnte auch von einem Fan geschossen sein! Das wäre ein kleinerer, unbedeutender Teil der Zeitgeschichte, trifft aber auf Persönlichkeiten des Sportbereichs zu. Auch Muhammed Ali wäre nicht der Größte, wenn die Bilder von seinen Schlachten nicht um die Welt gehen würden. Das sind andere Bereiche um den Globus, hat aber auch in Deutschland Gültigkeit.

2. Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeiten erscheinen

Auch dieser Punkt ist klar. Ihr wollt das Sydney Opera House fotografieren oder den Stephansdom in Wien. Und selbstverständlich lässt es sich nicht vermeiden, dass der eine oder andere Tourist oder gar eine riesige Menschenmenge bei der Straßenfotografie im Bild unfreiwillig auftauchen. Wenn ihr die Bilder schießt, erfüllen die Bilder einen gewissen Sinn. Ihr wollt entweder das Opera House und die Atmosphäre zum Ausdruck bringen oder ihr fotografiert heimlich die hübsche Touristin mit der Sehenswürdigkeit im Hintergrund und beschreibt die Frauen aus dem jeweiligen Land als gesellig. Letzteres erfüllt die Kriterien dieses Punktes nicht und die Person könnte sich zurecht dagegen vorgehen! Steht aber im Bildmotiv das Gebäude im Hintergrund und sind die Personen im Bild ersetzlich und quasi ohne hohe Bedeutung, dann kann das Bild geschossen werden. Nun wurde das Bild in Australien geschossen. Wie für Australien als auch für andere Länder gelten spezielle Bildrechte für Straßenfotografien und auch eine Klage von einheimischen Australiern schützt euch trotz der großen Distanz nicht.

Sydney Opera House

3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an den die Personen teilgenommen haben

Versammlung und groß angelegte Veranstaltung wie WM Feier 2014, Anti Pegida Bewegungen, Protestmärsche, Sportveranstaltung und weitere Events, bei der Teilnehmer sich einer untergeordneten Aufgabe bzw. einem Ziel sich unterordnen. Denn dann würde die einzelne Person nicht hervorgehoben werden. Aber auch bei Gruppen ist Vorsicht geboten und selbst die unerlaubte Fotografie einer Gruppe von Frauen bei der WM für bestimmte Verwendungszwecke außerhalb der Thematik der Weltmeisterschaft ist natürlich risikoreich, wenn eigensinnige Zwecke verfolgt werden und hierbei kommt es immer auf den Verwendungszweck an.

WM Feier Veranstaltung

4. Bildnisse, die nicht auf Bestellung angefertigt sind, sofern die Verbreitung einem höheren Interesse der Kunst dient.

Ich denke da an die Bilder von Panorama-Aufnahmen der Landschaft, wo auf einem Boot der Bauer die Angelrute auswirft und die Sonne untergeht oder die Fotografie einer Gruppe von Roulette-Spielern im Park, das auch von einem Straßenkünstler gemalt wird. Der Maler wird Farben und zusätzliche Tupfer ins Bild bringen, um das Künstlerische hervorzuheben. Fotografen nutzen hier Bildbearbeitungsprogramme, um ihren Bildern einen gewissen Touch zu geben. Was Kunst ist und was nicht, ist natürlich immer Auslegungssache.

Liebesschlösser

Worauf man als Fotograf allgemein achten sollte

Im Zweifel gilt: immer die Leute höflich fragen, ob man sie fotografieren kann und ggf. darauf hinweisen, dass ihr die Bilder auf eurem Blog integriert. Das kostet nichts und in vielen Fällen fühlen sich die Leute auch durchaus geschmeichelt, wenn sie zum Bild berücksichtigt werden. Bei kommerziellen Seiten ist die Erlaubnis der Person sowieso Muss. Ihr könnt nicht einfach eine schöne Frau fotografieren und sie auf eurem Shop reinklatschen. Wenn sie das mitkriegt, stehen die Chancen für sie vor Gericht gut. Ein Fotograf fährt also am besten, wenn er keine Personen absichtlich fotografiert und es kommt natürlich immer wieder vor, dass die Personen gegen den Willen des Fotografen im Bild auftauchen und dafür wurde auch Ausnahmeregel Nr.2 geschaffen.
Seid ihr euch nicht sicher, ob ihr das Bild mit den Personen publizieren könnt, dann könnt ihr die Gesichter verwaschen. Das geht über GIMP und dem Gaußschen Weichzeichner oder über simple Bildbearbeitungsprogramme zum Weichzeichnen einiger Bereiche. Di richtige Technik einzusetzen und dabei die Bildrechte stets im Auge zu behalten ist immens wichtig.




About author

Khoa

Fotografie ist Kunst, Kreativität und Leidenschaft. Früher habe ich tausende Bilder mit der Handykamera geschossen und habe mich irgendwann dazu entschlossen, mit meiner eigenen Kamera Bilder zu schießen, die euch gefallen könnten. Diese Leidenschaft fürs Fotografieren ist genauso groß wie die Gestaltung von Texten. Als Blogger hoffe ich natürlich, dass euch meine Atikel gefallen und ich im Laufe der Zeit euch neue Insprationen vorstellen kann.

No comments